Das Zeitalter
Das 18. Jahrhundert ist ein Zeitalter der Veränderung. Es ist geprägt durch eine Bewegung der Säkularisierung und eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung. Zugleich entwickelt sich der Liberalismus mit seinem Konzept der Menschen- und Bürgerrechte. Kriege, eine für nicht denkbar gehaltene Revolution und der Aufstieg des Bürgertums in Verbindung mit den Ideen der Aufklärung verändern die Welt in den 100 Jahren zwischen 1700 und 1800.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts, am 10.11.1759 wird in Marbach Friedrich Schiller geboren. Doch zunächst war für die Marbacher der Besuch des Herzogs Karl Eugen von Württemberg viel wichtiger. Er gab im April des gleichen Jahres den Auftrag zum Neubau des abgebrannten Rathauses, was für einen Aufschwung in der Stadt sorgte.
Ein Fest
Die ereignisreichen fünf Jahre zwischen 1759 bis 1764 stehen beim neu entwickelten, historischen Stadtfest „Der Marbacher Herzogsbesuch“ im Mittelpunkt. Erzählt wird vom Leben im 18. Jahrhundert, insbesondere vom Leben in Marbach.
Wie sah das fromm-pietistische Leben in Marbach aus? Wie lebte und arbeitete man in dieser Zeit? Wie wirkten Adlige in diesem Umfeld? Wurde Literatur diskutiert und welche Musik gehört? Wie war es arm oder reich zu sein?
Die Bürgerhäuser der Altstadt bilden die Kulisse für ein Spiel über das Leben des 18. Jahrhunderts. Dem Publikum wird ein Blick in eine vergangene Zeit ermöglicht. Zugleich ist es ein Fest bei dem sich das Publikum beteiligt und auch künstlerische Aktionen stattfinden. Alles vor dem Hintergrund des 18. Jahrhunderts und orientiert an der Marbacher Stadtgeschichte.
Aspekte des Festes
Das Fest soll in einem zeitlich abgestimmten Rahmen inszenierte Elemente beinhalten. Diese Szenen sind z.T. mit Schauspielern, aber auch mit Amateuren, Vereinsgruppierungen und Kindern zu realisieren. Dieser künstlerisch konzipierte und inszenierte Bereich bildet den Höhepunkt des Festes. Drum herum lassen zusätzliche Aktionen und Aktivitäten das Bild des 18. Jahrhunderts entstehen: Markttreiben, Handwerkerpräsentationen, Kulinarisches, Kinderspiele, historischer Gottesdienst, Kostümgruppen, Soldaten,...
Inzwischen gibt es verschiedene Überlegungen zu Szenen, die nachgestellt werden könnten. Historisches Material des Stadtarchivs und anderer Archive bilden den Grundstock, um Geschichten vom Leben im Marbach des 18. Jahrhunderts zu erzählen. Texte oder biografisches Material von Schiller stehen nicht im Mittelpunkt, denn es soll vorrangig um das Jahrhundert und weniger um den Dichter gehen. Trotzdem ist die Verwendung von Schiller-Material kein Tabu. Auch in den verzweigten Berufsgruppen der Familie spiegelt sich das Zeitalter: Schillers Großvater Georg Friedrich Kodweiß war Floßverwalter und Bäcker, Schillers Vater war nicht nur Offizier im Siebenjährigen Krieg, sondern auch Feldscher und Chirurg, also Handwerksarzt und später Pomologe und Gärtner. Schillers Mutter spielte Harfe, die Schwester Christophine war eine sehr gute Malerin.
Fazit
Das Endergebnis soll nicht eine Theaterinszenierung sein, die vom Publikum angeschaut wird, und die umrahmt wird durch zeitgemäßes Essen und Trinken. Gedacht ist eher an ein festliches Wochenende, an dem es eine Menge zu sehen gibt und auch immer wieder ganz unterschiedliche Szenen in den Mittelpunkt rücken können. Das Ziel soll sein, eine vergangene Zeit authentisch aufleben zu lassen. Dazu müssen Szenen gefunden werden, die mit Laien und Profis dargestellt und wiederholt werden müssen. Diese Szenen sind zeitlich begrenzt. Die Profis sind nötig, um eine hohe künstlerische Qualität zu erreichen.
Es entwickelt sich eine rege Beteiligung der Bevölkerung, die unbedingt aufgegriffen werden und in künstlerische Bahnen geleitet werden muss.
Das Fest soll eine Qualität haben, die Besucher nach Marbach lockt, „weil das einzige wirkliche authentische 18. Jahrhundertfest nur in Marbach gibt“. Es soll dazu beitragen, das Profil als Schiller- und Literaturstadt zu schärfen und eine überörtliche Ausstrahlung erzeugen, die auf eine große öffentliche Aufmerksamkeit stößt. Das Fest soll kein Verkleidungsfasching sein, sondern Marbach mit seinen Menschen zur Zeit Schillers mit all seinen Facetten darstellen.
