Der Marbacher Herzogsbesuch: ein Fest des 18. Jahrhunderts
Mit allen Sinnen kann man ein Wochenende lang eintauchen in das Jahrhundert, das Friedrich Schillers Lebenswelt darstellte. Die Zeit der Aufklärung brachte revolutionäre Umbrüche und Erneuerungen mit sich. Mit der Abkehr vom Absolutismus und dem Aufstieg des Bürgertums veränderte sich das Leben in den 100 Jahren zwischen 1700 und 1800 radikal. Große Unterschiede zwischen Prunk und Elend, zwischen harter Arbeit und rauschenden Festen, zwischen Hütten und Palästen prägten die Gesellschaft.
Marbach war ein kleines, selbstbewusstes Städtchen, in dem einige reiche Kaufmannsfamilien wohnten. Bäcker waren neben Metzgern, die wichtigsten Handwerkerberufe, denn es durfte wegen Brandgefahr nicht zuhause gebacken werden. Das berühmteste Marbacher Bäckerhaus ist das Geburtshaus Friedrich Schillers. Doch zunächst war das Besondere im Schilller-Geburtsjahr 1759 der herzogliche Auftrag ein neues Rathaus zu bauen.
Marbacher Vereine und Bürger, Schauspieler und Gaukler, Musiker und Tänzer, Handwerker und Mitglieder der Interessengemeinschaft "Historische Darstellungen des 18. Jahrhunderts" zeichnen ein Bild der vergangenen Zeit. Für ein faszinierendes Wochenende lassen sie es lebendig werden und verwandeln Marbach für zwei Tage in die Stadt vor 250 Jahren.
Tagsüber herrscht in der Altstadt historisches Markttreiben, auch alte Handwerkskünste werden gezeigt. Das Gastronomieangebot mit köstlicher Spansau und geheimnisvollen Süddeutschen Hippen ermöglicht eine kulinarische Zeitreise. Ein Biwak am Neckar lädt ein, herauszufinden, wie das Lagerleben der Soldaten und Marketenderinnen war. Die evangelische Kirchengemeinde feiert Gottesdienst wie vor 250 Jahren. Gruppen in historischen Kostümen, Kinderspiele und Gauklerszenen beleben die Stadt.
Am späten Nachmittag beginnt das Spiel der Zeit: der Stadtschreiber arbeitet an einer endlosen Vorbereitungsliste für den Herzogsbesuch, ein Torwächter macht Inventur, junge Männer würfeln um ihr Leben, ein Mädchen verteidigt seine Ehre. Geschichten aus dem Leben der Stadt, historisch verbürgt, fiktiv aufgeladen und gespielt von Schauspielern und Marbacher Laienspielern.
Am Sonntag, dem historischen Alexandertag, wird unter dem Motto „Friede sei ihr erst Geläut“ ergänzend zum „Marbacher Herzogsbesuch“ zu einem Fest in und um die Alexanderkirche eingeladen. Beginn ist um 10.00 Uhr mit einem Mundart-Gottesdienst durch Pfarrer i.R. Rudolf Paul. Danach gibt es Führungen, Rezitationen und musikalische Aufführungen, Handwerkervorführungen und kleine, kulinarische Besonderheiten. Der Alexanderkirchentag endet mit einem Harfenkonzert der Musikschule Marbach-Bottwartal.
Und wann kommt der Herzog? Ob er da ist oder nicht, wird herauszufinden sein. Ein bunter Umzug und ein großes Finale am Neckar mit Musik und Fackeln beschließt jeweils den Festtag, an dem das Publikum nicht nur zusehen, sondern sich im Kostüm auch selbst beteiligen kann.
